Die Botschaft von Ostern lautet: Das Leben ist stärker als der Tod!

VonManfred Fürnrohr

Die Botschaft von Ostern lautet: Das Leben ist stärker als der Tod!

In seinem Osterbrief schreibt der Präsident des Bundesverbands des Familienbunds der Katholiken, Ulrich Hofmann, folgendes:

Und wieder ist es so ein ganz anderes Osterfest, das wir in den nächsten Tagen begehen werden. Und wieder greifen die Präventionsmaßnahmen in unsere jährlich bewährten Routinen ein. Und wieder kein Besuch bei den Großeltern, kein Kurzurlaub über die Feiertage, keine Treffen im Freundeskreis, kein Osterfeuer in der Nachbarschaft. Und wieder ist auch in unseren Kirchen alles anders, denn es wird keine feierlichen Gottesdienste mit großer Gemeinde geben.
Und doch muss ich mich sogleich korrigieren: es wird nicht alles anders sein, denn die Botschaft von Ostern ist und bleibt dieselbe – auch in diesem Jahr, gerade in diesem Jahr.
Die Botschaft von Ostern lautet: Das Leben ist stärker als der Tod!

Aber: ist die Rede von der Auferstehung nicht eine Vertröstung auf das Jenseits?
Ganz ehrlich: manchmal denke ich so – nicht nur in diesen Corona-Jahren. Fragend und zweifelnd gehen wir durch unser Leben. Irritiert von Leid und Not, Katastrophen, Zwietracht und Streit. Fassungslos stellen wir uns in vielen
Situationen Fragen:
Warum das Leid?
Warum der Tod?
Warum Naturkatastrophen , Kriege und Krankheiten?
Wer beantwortet uns diese Fragen?
Es ist allzu verständlich, dass wir im Angesicht der eigenen Not, der Not der Menschen und der Welt ins Zweifeln kommen und tiefe Sinnfragen unseres Lebens stellen.
Wo komme ich her?
Wozu hat das Leben einen Sinn?
Wohin mündet mein Leben eines Tages?
Es ist für uns manchmal notwendig, dem eigenen Zweifel nachzugehen. Denn das, woran ich zweifle, ist meistens keine Zufälligkeit, sondern verweist mich auf die Urfragen meines Lebens.
Und da denke ich an die Jünger Jesu:
Da ist Thomas, der nicht wahrhaben will, dass der auferstandene Jesus vor ihm
steht.
Da haben wir den zweifelnden Petrus, der nicht glauben will, was die Frauen
ihm berichten.
Da haben wir die Jünger auf dem Weg nach Emmaus, die überhaupt nicht verstehen,
was sich in Jerusalem ereignet hat. Sie haben ihre Hoffnung auf Jesus
gesetzt und jetzt ist er tot.
Wir sind also nicht allein mit unseren Fragen und Zweifeln. Jesus nimmt die zweifelnden Jünger ernst. Er gibt ihnen Antworten, macht ihnen Mut und gibt ihnen Hoffnung. Er gibt ihrem Leben einen tiefen Sinn. Die Jünger müssen im Nachhinein über Leiden und Kreuz erfahren: Das Kreuz wird uns nicht erspart, Gott nimmt es uns nicht weg. Es gehört zum Leben. Wir sind gefragt, worin und woran wir unser Leben festmachen. Ich wage vorsichtig
zu sagen, je mehr ich mein Herz an weltlichen Dingen festmache, umso mehr verliere ich meinen christlichen Glauben, der aus Tod und Auferstehung heraus lebt. Andererseits, wenn ich die Menschen auf das Jenseits vertrösten
will, habe ich vom christlichen Glauben nicht viel verstanden.
Diesen Glauben ins Wort und in die Tat zu bringen angesichts der Not, dem Leid und dem grausamen Sterben auf den Intensivstationen in unserem Land, kann in diesen Tagen nicht leichtfallen. Und doch behaupte ich, braucht unsere
Welt diese österliche Hoffnung gerade in diesen Stunden.
Wenn wir füreinander da sind, erleben wir Ostern und Auferstehung schon hier, nicht erst im Jenseits. Wenn durch uns Christen erfahrbar wird, was uns trägt, dann geschieht Auferstehung. Die Kraft dafür bekommen wir gerade aus
dem Osterfest, dem Fest der Auferstehung vom Tod.
Besonders denke ich bei diesen Zeilen an diejenigen unter uns, die auch psychisch immer mehr unter den Kontaktverboten und -einschränkungen leiden, die Entfremdung erleben von ihren Verwandten und lieben Freundinnen und Freunden, die trauern um Menschen, die in dieser Zeit verstorben sind.
An dieser Stelle möchte ich in besonderer Weise Andrea Mauhart erwähnen, die uns so jäh und unbegreiflich verlassen hat, die wir in Gottes Händen gut geborgen wissen, was uns aber die Trauer und Fassungslosigkeit nicht nehmen
kann. Ich bin in Gedanken bei ihr und allen, die um sie trauern.

Ich wünsche uns allen ein Osterfest, das unseren Familienbund und unsere Gesellschaft stärkt in dem Vertrauen, dass wir die Herausforderungen dieser Zeit bestehen werden. Ostern spricht uns zu, dass der Gott des Lebens an unserer
Seite ist.
Weil mir der Text so viel bedeutet in diesen Tagen, möchte ich – wie in meinem Gründonnerstagsbrief 2020 zum Abschluss die wunderbaren Zeilen von Bischof Klaus Hemmerle zitieren:
Ich wünsche uns Osteraugen, die im Tod bis zum Leben sehen, in der Schuld bis zur Vergebung, in der Trennung bis zur Einheit, in den Wunden bis zur Heilung.
Ich wünsche uns Osteraugen, die im Menschen bis zu Gott, in Gott bis zum Menschen, im ICH bis zum DU zu sehen vermögen.
Und dazu wünsche ich uns allen österliche Kraft und Frieden, Licht, Hoffnung und Glauben; dass das Leben stärker ist als der Tod.
Ihr / Euer
Ulrich Hoffmann
Präsident des Familienbundes der Katholiken

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